Das Magazin der EDUARD KRONENBERG GmbH

1.2019

ARCHITEKTUR

Visionen in Düsseldorf zur Oper

Die Düsseldorfer Oper ist marode. Haustechnik, Wasserrohre und Bühnentechnik müssten allesamt dringend erneuert werden. Weil eine gründliche Sanierung des Gebäudes in der Düsseldorfer Innenstadt nach einer ersten Schätzung mindestens 100 Millionen Euro kosten würde, schlagen erste Planungsbüros in einem quasi inoffiziellen Architektenwettbewerb stattdessen einen Neubau vor – unter anderem am Hafen unter dem Namen „Klein Sydney“.

Zurzeit liegen unterschiedliche Entwürfe renommierter Architekturbüros auf dem Tisch. Alle Vorschläge wurden übrigens ungefragt eingereicht. Jan Hinnerk Meyer und Hagen Lippe-Weißenfeld (Projektschmiede) haben Pläne für einen Neubau am alten Standort an der Heinrich-Heine-Allee vorgelegt, der Architekt Joachim Faust (HPP) überrascht mit einem 140-Meter-Turm am Hofgarten, ebenfalls an der bisherigen Opernstätte.

Große Vorbilder –von Sydney bis Hamburg

Nun gibt es aktuell einen dritten Vorschlag, diesmal aus dem Büro RKW. Der Entwurf sieht ebenfalls einen Neubau vor, aber dazu auch einen neuen Standort: im Medienhafen, gleich neben dem Landtag am Rhein, auf einer bislang wenig beachteten Landzunge. „Damit würde die Oper ihrem Namen gerecht: Deutsche Oper am Rhein“, wird Dieter Schmoll zitiert, Geschäftsführender Gesellschafter des renommierten Düsseldorfer Planungsbüros. Er führt weiter aus, dass man den Menschen ans Wasser folge, wie es schon Sydney, Hamburg, Kopenhagen, Reykjavík und Oslo mit ihren Opern-Neubauten getan hätten.OB Geissel bezieht eindeutig Stellung Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geissel empfindet einen Neubau an sich durchaus als sinnvolle Alternative. Vielleicht sei es an der Zeit für einen großen Wurf, schließlich habe man bei der Sanierung jahrelang gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen. Doch glasklar hat sich der OB gegen einen Opern-Neubau im Medienhafen ausgesprochen. Der bisherige Standort der Oper am Hofgarten stehe nicht zur Disposition. Den in der Stadt unter dem Namen „Klein-Sydney“ kursierenden Entwurf lehnt Thomas Geissel entschieden mit diesem Kommentar ab: „Das wäre doch Emporkömmlings-Verhalten“. Klar scheint einstweilen (Stand: Ende Juni 2019) nur zu sein, dass erst die Diskussion in den Ratsfraktionen im Herbst die Entscheidung bringt, ob die Oper saniert, saniert und erweitert oder ganz neu gebaut wird.

100 Jahre Bauhaus
Revolution nach Lehrplan

1919 rief Walter Gropius die modernste und umstrittenste Kunstschule der 1920er Jahre ins Leben: das „Staatliche Bauhaus in Weimar“. Bereits dieser Name verweist auf die Anlehnung an die mittelalterliche Bauhütte. Hier verschmolzen Kunst und Handwerk, um den Bau gewaltiger Kathedralen zu ermöglichen. Das ist das Ideal der Bauhaus-Philosophie: sie will Architektur, Bildhauerei und Malerei auf das Handwerk zurückführen.

In seinem zur Gründung formulierten Manifest skizziert Walter Gropius Visionen, die auch noch heute revolutionäres Potenzial besitzen. Etwa, dass statt der akademischen Lehre ein pluralistisches Bildungskonzept etabliert wird, in dem jeder begabte junge Mensch studieren kann – unabhängig von Schulabschluss, Geschlecht oder Staatszugehörigkeit. Oder dass die Kunst wieder gesellschaftlichen Aufgaben dienen soll. Und dass die Trennung zwischen einzelnen kunsthandwerklichen Disziplinen aufzuheben sei. Dabei verneint er Wesensunterschiede zwischen Kunst und Handwerk.

Bauhaus –Konsequenz in Theorie und Praxis

Konsequent werden diese Visionen zuerst in Weimar praktisch umgesetzt. Bauhaus-Schüler mussten sich in sogenannten Vorkursen mit der Beschaffenheit von Materialen sowie den Eigenschaften von Farben und Formen vertraut machen. Berühmte Maler wie Wassily Kandinsky und Paul Klee leiteten als ‚Meister‘ die ‚Schüler‘ an. Nach Abschluss der Vorlehre entschieden sich die Studierenden dann für einen Bereich wie Metall, Weberei, Keramik, Möbel, Typographie oder Wandmalerei in den dafür ausgerichteten Bauhaus-Werkstätten. Sowohl ein Künstler als auch ein Handwerksmeister leiteten diese, um die Einheit der Gestaltung direkt in der Praxis zu demonstrieren.

Design – „Form follows function“

Diesen bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts berühmten Lehrsatz betont auch das Bauhaus. Neuartige Werkstoffe und Technologien kommen in den Werkstätten des Bauhauses zum Einsatz. Es entstehen Prototypen zahlreicher Möbel und Gebrauchsgegenstände, die auch in die industrielle Massenproduktion gehen. Viele sind sowohl in ihrer ursprünglichen Form als auch in ihrer Weiterentwicklung bis heute Bestandteil stilbewusster Haushalte, wie etwa der Freischwinger-Stuhl, die Wagenfeld-Lampe oder die Bauhaustapete.

Architektur – Bauen für die Zukunft

Von Anfang an arbeiten Studierende an Bauprojekten mit. Denn der Dreh- und Angelpunkt ist die Zusammenführung aller Künste zur Errichtung des Baus der Zukunft. Das Lehrgebäude und die Meisterhäuser des Bauhauses in Dessau sind brillante Zeugnisse dieser Zusammenarbeit. Darüber hinaus etabliert sich das Bauhaus durch den Bau von Siedlungen für den sozialen Wohnungsbau weiter.

„Die Welt neu denken“

Unter diesem Motto gibt es anlässlich des 100-Jährigen Jubiläums eine Reihe an Feierlichkeiten. Hier eine Auswahl der deutschlandweiten Veranstaltungen.

Berlin
Im Haus der Kulturen der Welt ist mit „bauhaus imaginista“ eine Darstellung des weltweiten Einflusses des Bauhauses zu sehen (seit 15.03.). Die Jubiläumsschau des Berliner Bauhaus-Archivs läuft in der Berlinischen Galerie (ab 06.09.2019).

Weimar
„Das Bauhaus kommt aus Weimar“, betitelt die Klassik Stiftung Weimar selbstbewusst ihre Jubiläumsausstellung, mit der ein Bauhaus-Museum eröffnet wird. Neben Design-Ikonen sollen Zeitdokumente gezeigt werden.

Dessau
„Versuchsstätte Bauhaus“: Die Stiftung Bauhaus Dessau präsentiert ab 08.09.2019 ein neues Bauhaus-Museum, dessen umfassende Sammlung deutlich macht, wie sehr Bauhaus-Objekte zum Alltag gehören – von Schrifttypen über Möbel, Textilien und Tapeten bis hin zur Architektur.

Triennale der Moderne
Drei Architektur-Wochenenden in Weimar (26. bis 29.09.2019), Dessau (04. bis 06.10.2019) und Berlin (11. bis 13.10.2019) rücken die Bauhaus-Architektur in den Mittelpunkt, ausgehend von den Unesco-Welterbestätten in den drei Städten.

Kassel
Bei der Ausstellung „Bauhaus/documenta. Vision und Marke“ in der Neuen Galerie (ab 24.05. bis 08.09.2019) arbeiten documenta Archiv, Universität und Museumslandschaft Hessen Kassel zusammen.

Halle an der Saale
Das Kunstmuseum Moritzburg präsentiert vom 23.06. bis zum 25.08.2019 unter dem Titel ‚Things to come‘ eine Film-Installation über den Bauhaus Meister László Moholy-Nagy und seine Partnerinnen Lucia und Sibyl zwischen 1929 und 1935.

Frankfurt
Frankfurts Pionierfunktion für die städtebauliche Moderne in den 1920ern ist vor allem mit dem Städteplaner Ernst May verbunden, den das Deutsche Architekturmuseum vom 23.03. bis 18.08.2019 unter dem Titel „Neuer Mensch, neue Wohnung“ würdigte.

Bauhaus Grand Tour
100 Orte quer durch Deutschland hin – von der Weißenhofsiedlung Stuttgart zur Siemensstadt Berlin, vom Kaufhaus in Chemnitz bis zum „Teepott“ Warnemünde, von der Zeche Zollverein Essen bis zum Einsteinturm Potsdam.www.bauhaus100.de


Das Bauhaus wird heute als eine der prägendsten Schulen für Kunst, Architektur und Design des 20. Jahrhunderts angesehen, obwohl es nur von 1919 bis 1933 existierte. Nach der Gründung in Weimar unter dem ersten Direktor Walter Gropius zog das Bauhaus unter politischem Druck zunächst 1925 nach Dessau und 1932 schließlich nach Berlin um. Angelehnt an das Ideal der mittelalterlichen Bauhütte, in der Baumeister, Handwerker und Künstler gemeinsam an einem Werk schafften, sollten sich auch hier die verschiedenen Gewerke und Künste zusammenfinden, um zu einer neuen Formgebung zu gelangen. www.bauhaus.de

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